Die Todsünden sind Todsünden,
Weil sie ans Außen uns binden.
Die Todsünden sind Todsünden,
Weil den Tod wir durch sie finden.
HH

 

 

 

AVARITIA
Geiz

Wie lang bleibt das Unrecht besteh’n,
So dass die Gier wird geadelt,
Und die vor dem Hungertuch steh’n
Werden Schmarotzer getadelt.
HH

 

Geizig willst du sein und dir nichts gönnen
Altes Brot, Schimmel ab, schneidet Gürtel in kein Speck
Nie da, ein Schlückchen mehr, ein Scheibchen drauf,
weniger tuts auch
keine Freude ist deine Last
gibst nie zurück, alles deins,
Zugenähte Taschen,
peinlich unbeteiligt, beim Stammtisch, niemals Spaß auf deinen Deckel…

CS

 

 

 

 

 

GULA
Völlerei

„Die Völlerei der ersten Welt
Frisst die Grundlagen der Armen.
Sie verlangt für weniger Geld
Immer mehr, ohne Erbarmen.
HH

 

In der dunklen Einsamkeit
umflattert mich die Sehnsucht.
Sitzt flügelweit auf der Brust
bittersüß mich zu fangen.
Öffnet das Seelenfenster
zu Verlust und Versäumnis,
singt den schmerzenden Weckruf,
bis ich mich ihr ergebe.

Sie wird zum lüsternen Tier,
das gefrässig Hunger ruft.
Ich fütt’re es angstvoll mit
süßem Schmelz des Vergessens,
flimmernden Bildgeschichten,
mit salzigem Tütenreich,
bis das Tier betäubt ablässt
und ich traumlos versinke.

ba

 

 

 

 

 

ACEDIA
Faulheit

Wer mit Dingen ist behangen,
Träg und faul wird dessen Geist.
In Materie gefangen,
Die Seele im Vergessen kreist.
HH

 

Verwirrt auf der Theaterbühne
Nimmt das Spiel des Lebens seinen Lauf,
Das Licht zerfällt in Schuld und Sühne,
Liebend nimmt die Liebe es in kauf.

Und schon bald erscheinen Hier und Jetzt
Als einzig wahre Wirklichkeiten.
So vergeudet sich zu guter letzt
Das Leben gar an Nichtigkeiten.

Auf der Jagd nach zweifelhaftem Glück
Im Alltagstrott das Sein verkümmert.
Ihr falsches Spiegelbild, Stück für Stück
Den Trägen erst der Tod zertrümmert.

HH

 

 

 

 

 

IRA
Zorn

Nur noch in Rage wird skandiert
Und gegen Anders – Sein gehetzt.
Wenn Zorn den Horizont verliert,
Sind auch die Messer schon gewetzt.
HH

 
Herr, Oh Herr
nun halte mich.
Ich den Augen
tiefes Rot.

Halte mich,
oh halte mich.
Sonst kreist Schwert
in blutend Rot.

Berserker, die Klinge kreisend,
über mir des Himmels Grau.
Um mich schreitend, brüllend schlagend,
schlagend tief die grösste Not.

Wahrlich wurde ich gebor´n
niederbringend alle Wut
Rüstung rostig, dreckbespritzt
Einzig Element von Zorn.

RM

 

 

 

 

SUPERBIA
Hochmut

Von Äußerlichkeiten geblendet,
Der Mensch in stolzen Wahn verfällt,
Hin und her den Spiegel wendet,
Derweil sein Seelenkleid zerfällt.
HH

 

Veraltert sagt das Volk und lacht
Uns geht das wirklich nichts mehr an
Verstaubt und lächerlich spukt sie
Doch nur noch in den Köpfen jener Antiquierten
Die langsam abzutreten haben

Was heißt schon Sünde in der Welt
Den Gott den ihr einst wachgebetet habt
Was hat er denn getan
Um uns den Frieden zu bescheren
Versagt hat er auf ganzer Linie
Nun nehmen wir das Zepter selbst in uns´re Hand

Warum er niemals fertig wurde
Der Turm bis hoch zum Himmelszelt?
Es fehlten Menschen so wie wir
Begabt und hart mit Geld und Potenzial

Heut´ wär´ das alles kein Problem
Wenn wir es wollten – ach herrje
Wir könnten Meere trocken legen
Und durch die Wüsten zögen uns´re Herden
Eh wir sie trieben in das Schlachthaus eurer Stadt

Zuhauf und billig muss es sein
Genau wie ihr die Sklaven der Allmächtigen es sind
Denn die Moral
schon wieder so ein abgestaubtes Wort
Ist auch nur Widerschein der Welt wie sie jetzt ist

Was dann danach gekommen ist
Das kann der Dichter nicht erzählen
Denn keiner hat es überlebt
Und mit dem Menschen gut wie böse
Starb Tugend Sünde und Begehr´
Am Schluss ganz zart erlosch die Hoffnung
Die Welt verglühte unbemerkt im All.

UH

 

 

 

INVIDIA
Neid

Die Kirchen haben gelogen,
Aus Missgunst Angst und Hass geschürt.
Uns um das Wissen betrogen
Und in Gottes Ferne geführt.
HH

 

Seit Jahrtausenden grollt Sie, die Unterwelt.
Leid der Menschenseel anheim gestellt.
Fernab jeglichen Mensch-Seins
in der Polarität,
der schier unaufhörlichen Individualität…..

Dort, in jener Unterwelt,
lächelt Er, verschmitzt
sich dem menschlichen Kleinmut dazu gesellt.
Peitscht an, das Feuer,
entfacht des Teufels Ungeheuer.

Gerade dann, wenn des Teufels Hinterlist
des Menschen-Seel ertränkt im Dunst
aus Neid und Missgunst,
gerade dann, braucht’s des Menschen Hand
gleichsam heraus zu schrein:
Halt ein !

Daphne Amiri

 

 

 

 

 

LUXURIA
Wollust

Was haben Knaben erduldet,
Frauen und Mädchen durchlitten,
Ist nur der Wollust geschuldet,
Die über das Maß geschritten …
HH

 

… und doch …
es offenbart sich nur,
was die Seele vorspielt …
ich nehme etwas in mir wahr,
was verborgen ist, unbekannt
und wartend auf seine Geburt …
oh, Mutter Natur!
wie kann denn Liebe Sünde sein?

der Wind weht über die Farne …

und erfährt
die Wandlung, die sie durchqueren,
ein liebevolles Streichen,
das nach mehr verlangt …

auf ihren Tau pustet er sanft
in der letzten Frische dieser Nacht
und trägt die Feuchtigkeit zu Knospen,
durch den ersten Sonnenstrahl erwacht …

es hellt auf, Töne und Schatten entstehen,
wie eine Marter dies‘ Gefühl,
geziert mit der ersten Glut,
im Geräusch des Blattes voller Ungeduld …

und mich findend, zum Kühlen
haltend meine Stirn
in meines Waldes Bachgerinn,
oh, aus diesem Schlaf erweckt mich nicht!

DD

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