In diesem Monat brauchen wir Eure geschätzte Aufmerksamkeit, denn das Thema des Monats September ist: LAUSCHEN

„Der Schrei der Möwen
Webt weiß über die Wogen hin,
Verwebt des Turmwächters Lauschen
In die reiche Ferne der Meere.“

Minamoto Kanemasa
(lebte und starb im 12. Jahrhundert), japanischer Dichter

 

 

 

 

Kraftquell (neue Fassung)

Regentropfen
fallen wie
Glasmurmeln
zerstäuben
über den
Boden
der warme
Landregen
ist ein Sommer
Segen
in den Wäldern
verdampfen
die Wasserperlen
zu Nebelgeistern
Stille senkt sich
herab
kostbare Momente
zum Innehalten
ich atme den
Duft
des mit Fichtennadeln
und Moos bedeckten
Waldbodens
tief ein
schweigend
lausche ich dieser
Wunderzeit

Arno Gobbetto

 

 

 

Wenn sich die Sedimente legen,
welche sich Tags zuvor im Tanze umkreisten.
Wenn sie sich erneut zur Ruhe legen,
in der sanften Welt der Dunkelheit.

Dann lausche.

Dem ploppen eines Kieselsteines.
Dem surren seines sinkens.
Dem pochen deines Herzens.
Dem schwirren deines denkens.

Während dein Blut seine Bahnen kreist.
Und dein Atem angehalten,
in seinem Fluss unterbrochen.
Bis des Herzens Schläge dich zwingen.

Leicht hektisches streben zur Oberfläche.
Die Arme platschen.
Der erste Atemzug pfeift tief.
Und normalisiert sich.
Findet seinen Takt.

Nur leichtes plätschern.
In der Ferne Stimmen.
Vögel rufen.
Engel singen.

Leise
die Stille geküsst
und endlich
noch immer
ein wenig
verrückt.

Maria Hoffmann

 

 

 

 

 

AUSFLUG

Überfordert von den Empfindungen
und Weitergabe der Weisheiten,
verbündete sich mein Herz
mit dem Ohr,
dem Tor des Wissens,
und vermochte
die Welt melodisch zu entdecken.
Das Krabbeln der Ameisen,
das Gezwitscher der Vögel,
das Rascheln der Blätter,
das Brüllen der Tiere,
das Rumoren der Menschen,
die Stimme der Gewalt der Natur,
ein Chaos der Laute,
die sich Stück für Stück heranpirschten,
überlastete das Netz der Ruhe,
so dass es geräuschlos
in seinen Käfig kroch.
Angekommen daheim
lud es das Ohr ein,
die Welt der Liebe
und Harmonie
mit seinem Gehör zu lauschen.

Be Zoban

 

 
Brot und Rosen

Ich lausche auf die Botschaft,
windhergetragen von fern.
Doch es ist so still, kein Laut.

Fragen im Hoffnungsgrünen
sind mir Mantel und Wegmarke.
Sie lassen mich bergan geh‘n,
wenn es sturmtief weit dunkelt.

Wenn die Sicherheit mich lockt,
eilt der schnelle Tag weiter,
mit einfachen Antworten
und seinen Versprechungen.

Dann, ja dann

Lausche ich auf die Worte,
die mit mir tasten und suchen,
zu teilen das Brot des Lebens

im üppigen RosenRot.

ba

 

 
Weit

Ganz weit,
geh ich hinweg.

Bin lauschend
nicht mehr da.

Einzig mir
mein Lebenszweck,
das hörend Still
und aller Gänze,
still für immer ewig da.

Einzig Herz wird doch zerreissen,
lauschend,ahnend immer da.

Weiter geht des Ahnungs Hymne,
weiter aller Sebstbetrug.
Still lausch ich den Zeitens Lug.
Kurz hinein geboren.

Immer, immer wieder da.

RM

 

 
Mein Lauschen,

Ich kann’s er-lauschen.

Das Summen der Bienen,
wenn
ihr Zuhause suchen.

Ich kann.
Auch,
er/sie/es lauscht der Bienen.

Ich höre Ihre flatternden Flügel.
Und ihr Lauschen, wenn sie…

Fleißige Bienen.
Und ich, kann . Und,
ich lausche
den Mäusen unter den Holzdielen
bei ihrem Vorsorgen – ja,
und den Elstern während
sie zwischen Ast und Ast hastig
ihre Schnäbel mit Beeren füllen – sie stören einander nicht –
auch nicht die anderen kleinen, die Lautesten –
Fliegen & Bienen & mich

Ich lausche.

CS

 

 

 

 

 

Die kleine Kirche

Menschen vergessend
Inmitten Tausender
Allein
Ein Stück Himmel
Lässt atmen
Lächeln
Bleibt Wolken verhangen
Lauf
Flieh
Wie ein Fuchs gejagt von der Meute
Renn um dein kleines leises Leben
Plötzlich
Zwischen Häuserblocks
Wie gewollt eine Kapelle
Die Pforte
Leicht zu öffnen
Spüre
Du betrittst heiligen Boden
Nun ist die Zeit gekommen
Ich verlasse dich
Schreib mich weg aus deiner Welt
Schau
Längst hast du mich vergessen
Was jetzt geschieht gehört nur dir
Staune
Lausche

UH

 

 

 

 


Urzweck

Lausche ich der Liebe nach,
So antwortet die Stille mir :
„Ungeliebt dein Sein liegt brach,
Ist Wahrheit dir der Spiegel hier.

Im Vergessen ruht dein Sein
Und wartet auf ein liebend Wort,
Welches hebt den schweren Stein,
Damit beendet wird der Tort.

Die Illusion der Welt
Wird im Erinnern dir enthüllt.
Wenn dein Blick auf dich noch fällt,
Ist auch dein Selbstzweck hier erfüllt“.

HH

 

 

 

 
lauschen …

schwer ist der Schleier des Wunsches
zu lauschen, in die Nacht versunken,
wie Schönheit auch in etwas weilt,
das zu schwach ist zu entstehen …

als geblendeter, armer Pilger,
der weiterzugehen sich nicht mehr traut,
den Geheimnissen zu lauschen,
einer Geburt bei Vollmondnacht im Mai …

staunend dem Leben lauschend,
wie es wogt, wie es lacht, wie es weint
und wie es vergeht nach Ruhe suchend,
lautlos bei Vollmond, in die Nacht hinein …

DD

 

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