Jahresrückblick 2018

Ein kleiner Rückblick unserer ‚Liebsten‘ als Dank an alle, die auch in diesem lyrischen Jahr Lust und Muße hatten uns zu begleiten.
Die letzten Zeilen, ein Zeichen für ein gesundes, friedvolles und gemeinsames Jahr 2019.

 

 

Aufgebrochen liegt die Scholle …

So wie das letzte Blatt zu Boden fällt
Und starke Winde landwärts ziehen
So wie der Mensch jetzt leiser wird
Und Lichter unsre Fenster schmücken
UH

Herbststurm grau treibt Regenfahnen
trutzig breit weit über Land.
Durch der Ödnis Sterbensahnen
wärmt Sommerherz des Liebsten Hand.
RM

Aufgebrochen liegt die Scholle,
Die letzte Mahd ist lange her.
Und in Bälde will Frau Holle
Die Lande weihen, weiß und hehr.
HH

So wie wir uns näher rücken
Türen knarrend abzuschließen
Sonnenlicht und Meeresklang
Geschichten uns zur Nacht erzählen
So will ich bleiben lange Zeit
Meine Wärme mit dir teilen.
ba

Erwärmt lauschen unsere Herzen,
wie das Holz im Feuer knistert
und wie der Winter an unser Fenster
leicht klopft und uns schildert,
wie sanft Schneeflocken auf den Boden fallen.
DD

So wie der Mensch nun tief einkehrt,
in Stille achtsam verweilt,
wird ihm gewahr:
ohne sein zutun fließts weiter….
DA

Die Sterne leuchten heller als klar
Zarter Duft verrät den Geist, der lieblich naht
Kerzenhell erleuchtet der Raum und die Herzen
Fließende Zufriedenheit
CS

(gemeinsame Dichtung der Coronalyriker)

nochmal wunderbar rezitiert von Ralf Maul:

https://soundcloud.com/dalai-ramix/corona1?fbclid=IwAR1XeaO_i17CEIQ9CNFnTx7Iynu7sH70txS-J7YlrkdywvBxTgbz4A_cuPo

 

 

 

Sehn-suchts-voll

blicke ich in den Kelch einer weißen Nelke,
kann nicht widerstehen
ihrem betörenden Duft,
in ihrem Schlund
verschlingt mich ihr süßer Saft
und ich weiß,
ich werde fortan in ihr vergehen…….

Sehn-suchts-voll

in zittrigen Wellen
gleichsam herzzerreißend taumelnd
wähne ich mich in ihrem Paradeise
von den Geistern, die mich umgeben
in aller Herrlichkeit
und doch
in erbarmungsloser Trunkenheit……

Welch Weiser,
oh, ihr großen Dichter des Morgenlandes
möge mich, ich armer Tor
aus diesem Schlund befreien ?

Nur ihr, die ihr die Liebe besingt,
wisst um ihre Reinheit,
ihre Wahrhaftigkeit,
ihre Beharrlichkeit….

Drum lasset mich hinaus treten,
mich tief den frischen Wind einatmen,
auf neuen Pfaden wandeln
und mich erfreuen an dem Duft der weißen Nelke
am Rande eines anderen Weges…….

Daphne Amiri

 

 

 

geduldsfaden

Ich übte mich in langmut
hielt den geduldsfaden
fest in den händen
und hütete ihn sorgsam
wie mein wildes zungentier
das aufbegehrte

Atmete tief ein und aus
damit die Wut verflog
der Faden nicht riss
auf dem ich zu dir wollte
doch da war die Liebe schon
tränenweit fort

ba

 

 

 

Vielleicht

Ich sammle deine Tränen auf,
und rahme sie gold ein.
An der Wand hängend,
werden sie mich erinnern,
als du noch Mensch warst.

Ich sammle deine Tränen auf,
und würze damit Fades.
Was nicht schmeckt,
nicht bunt ist,
und von Emotionen verlassen.

Ich sammle deine Tränen auf,
und gieße sie über alte Bilder.
Vielleicht erweckt ein Funke zum Leben,
vielleicht kriegen vergessene Träume Kinder.

CS

 

 

 

Sehnen

Sehr tief verschüttet im Vergessen
Brodelt das Sehnen der Ekstase.
Des Menschen Geist kann’s nicht ermessen,
Nur kurz, die eruptive Phase.

Und, weil die Lust nur kurz befriedigt
Treibt das Sehnen Manchen in die Sucht.
Die Kraft, die Menschen so erniedrigt,
Erhöht den, der wahrhaft in sich sucht.

Die Sucht des Sehnens falsch verstanden,
Krümmt die Sicht der Welt im Spiegelbild.
Die Sehnsucht ist deshalb vorhanden,
Dass als Gott der Mensch die Welt sich bild‘.

HH

 

 

 

 

Geduldsprobe

Verlassen steht das alte Haus
Die Löcher die einst Fenster waren
Sind Zeugen stetigen Verfalls

Davor ein Baum
An dessen dicken Ästen
Sich schon so mancher Traum verlor

Der Mond verfängt sich auch bisweilen
In seiner Krone himmelshoch
Wenn gleißend kalt er übern Erdball zieht
Wohl wissend von der Macht
Der ewiglichen Wiederkehr

Was wird wohl werden fragt der Mensch
Der Baum er lächelt sorgenfrei
Denn er hat viel schon überlebt

Und für den Hauch des Augenblicks
Fühlt man den Jahreszeitenzauber
Und sieht geduldig zu
Wie sich am Firmament bedrohlich Wolken türmen

UH

 

 

 

 

Aufbruch

im ganzen Leben,
auf der Suche nach neuen Gipfeln,
träumt jedes Ende,
den Wiederanfang zu begrüßen,

jedes Mal, vielleicht ein wenig höher,
jedes Mal, vielleicht ein wenig weiter …

und eine Träne,
im wiederkehrenden Aufbruch,
kühlt wohltuend die heiße Wange,
im Andenken an das Bleiben,
hinterlassen von jedem Gehen …

DD

 

 

 

 

Wie ein Grashalm,
mich hautsanft berührt
während die letzten Sonnenstrahlen
mir mein Gesicht erwärmen,
die Kühle der nahenden Nacht
sich zaghaft bemerkbar macht
und ich einfach nur atme…..

Ich brauche sie nicht, die Brücken
erbaut aus abstrakten Gedankengängen,
sich in konzentrischen Kreisen verzweigend,
mir selbst unerreichbar,
unnahbar….

Dem Spürgewahrsein
öffne ich die Pforten,
dahinter herznah erbaut
erblicke ich sie
die ersehnten Brücken.
Leichtfüßig wandle ich hinüber,

mir selbst genügend…..

Daphne Amiri

 

 

 

 

Heiter weiter

Ist alle Angst von mir gewichen,
Will heiter ich ins Chaos schlittern.
Ist das G siebenfach gestrichen,
Fängt an die Spiegelwelt zu splittern.

Keine alten Bücher helfen dann,
Ist eine neue Welt im Werden.
Auch die alten Götter trifft der Bann,
Ist selbst man Schöpfer nun auf Erden.

Der Horizont strahlt seltsam heiter,
Lichtdurchwirkt erscheinen Fels und Baum.
In echter Liebe baut nun weiter,
Vollkommen, der Mensch an seinem Traum.

Heiterkeit durch’s Universum tönt,
Ein neuer Mensch wird schon gemunkelt.
Und das Firmament wird auch geschönt,
Auf dass die Erde heller funkelt.

HH

 

 

 

Freiheit, die ich meine…

In der Gebundenheit
Grenzen überschreiten
Gegen Windmühlen an
Die Waage in der Hand

Auf das Echo hören
Nach Zeichen suchen
Samen auf’s Land streuen
Für Freiheit und Liebe

Tief in Not und Elend
Tränen der Anderen
Auf der Schale wiegen
Damit die Saat gedeiht
Ba

 

 

 

 

Die Balken die einst stützten – morsch
Betreten kann sie keiner mehr
Und zwischen feuchten Spalten wächst lang schon 
erstes Grün

Wohin sie führt
Was sie verband
Zu dieser Stund´ weiß niemand mehr die Antwort

Ein Menschenfreund schlug eine Latte quer
Ganz vorn vom Handlauf links zur and´ren Seite
Vielleicht huscht ab und an noch eine Maus hinüber
Verfolgt von Räubern in der Nacht

So steht sie da
Als Zeuge jener Zeiten
Von denen laut getönt dass sie einst besser waren

Traust du dich vor bis an dem Rand des Felsens
Siehst du am Grund der Schlucht den Bach
der stetig fließt
Und den falls je ein Mensch es wollen mag
Man leicht zu Fuß durchschreiten kann

UH

 

 

 

Ad Libitum

Manchmal
ist mir die stillste Ruhe
zu laut
Die lauteste Stille
zu ruhig
Die ruhigsten Laute
zu still

Manchmal
fehlen Grenzen
für einen Anfang
und
für ein Ende
Alles läuft für sich
und über Alles
und
über zu Vieles hinaus

Nur der Himmel wehrt sich
und
die Erde wartet geduldig
auf jedes Heute
und jedes Sein
und dazwischen ist…
Freiheit

CS

 

 

 

 

Barfuß …

es sind dieselben, alten Straßen,
über Brücken aus Granit,
auf denen Kirchenväter wandelten
in aller Willkür des Schicksals

auf Händen tragend,
alles, was noch zu lehren ist
und das Pulsieren aller uns
noch davorstehenden Metamorphosen …

eingeschneit die Berge im dichten Nebel
und die Jahre gehen hin,
auf gleichen, alten Straßen
über Brücken aus Granit …

DD

 

 

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die Todsünden

Die Todsünden sind Todsünden,
Weil sie ans Außen uns binden.
Die Todsünden sind Todsünden,
Weil den Tod wir durch sie finden.
HH

 

 

 

AVARITIA
Geiz

Wie lang bleibt das Unrecht besteh’n,
So dass die Gier wird geadelt,
Und die vor dem Hungertuch steh’n
Werden Schmarotzer getadelt.
HH

 

Geizig willst du sein und dir nichts gönnen
Altes Brot, Schimmel ab, schneidet Gürtel in kein Speck
Nie da, ein Schlückchen mehr, ein Scheibchen drauf,
weniger tuts auch
keine Freude ist deine Last
gibst nie zurück, alles deins,
Zugenähte Taschen,
peinlich unbeteiligt, beim Stammtisch, niemals Spaß auf deinen Deckel…

CS

 

 

 

 

 

GULA
Völlerei

„Die Völlerei der ersten Welt
Frisst die Grundlagen der Armen.
Sie verlangt für weniger Geld
Immer mehr, ohne Erbarmen.
HH

 

In der dunklen Einsamkeit
umflattert mich die Sehnsucht.
Sitzt flügelweit auf der Brust
bittersüß mich zu fangen.
Öffnet das Seelenfenster
zu Verlust und Versäumnis,
singt den schmerzenden Weckruf,
bis ich mich ihr ergebe.

Sie wird zum lüsternen Tier,
das gefrässig Hunger ruft.
Ich fütt’re es angstvoll mit
süßem Schmelz des Vergessens,
flimmernden Bildgeschichten,
mit salzigem Tütenreich,
bis das Tier betäubt ablässt
und ich traumlos versinke.

ba

 

 

 

 

 

ACEDIA
Faulheit

Wer mit Dingen ist behangen,
Träg und faul wird dessen Geist.
In Materie gefangen,
Die Seele im Vergessen kreist.
HH

 

Verwirrt auf der Theaterbühne
Nimmt das Spiel des Lebens seinen Lauf,
Das Licht zerfällt in Schuld und Sühne,
Liebend nimmt die Liebe es in kauf.

Und schon bald erscheinen Hier und Jetzt
Als einzig wahre Wirklichkeiten.
So vergeudet sich zu guter letzt
Das Leben gar an Nichtigkeiten.

Auf der Jagd nach zweifelhaftem Glück
Im Alltagstrott das Sein verkümmert.
Ihr falsches Spiegelbild, Stück für Stück
Den Trägen erst der Tod zertrümmert.

HH

 

 

 

 

 

IRA
Zorn

Nur noch in Rage wird skandiert
Und gegen Anders – Sein gehetzt.
Wenn Zorn den Horizont verliert,
Sind auch die Messer schon gewetzt.
HH

 
Herr, Oh Herr
nun halte mich.
Ich den Augen
tiefes Rot.

Halte mich,
oh halte mich.
Sonst kreist Schwert
in blutend Rot.

Berserker, die Klinge kreisend,
über mir des Himmels Grau.
Um mich schreitend, brüllend schlagend,
schlagend tief die grösste Not.

Wahrlich wurde ich gebor´n
niederbringend alle Wut
Rüstung rostig, dreckbespritzt
Einzig Element von Zorn.

RM

 

 

 

 

SUPERBIA
Hochmut

Von Äußerlichkeiten geblendet,
Der Mensch in stolzen Wahn verfällt,
Hin und her den Spiegel wendet,
Derweil sein Seelenkleid zerfällt.
HH

 

Veraltert sagt das Volk und lacht
Uns geht das wirklich nichts mehr an
Verstaubt und lächerlich spukt sie
Doch nur noch in den Köpfen jener Antiquierten
Die langsam abzutreten haben

Was heißt schon Sünde in der Welt
Den Gott den ihr einst wachgebetet habt
Was hat er denn getan
Um uns den Frieden zu bescheren
Versagt hat er auf ganzer Linie
Nun nehmen wir das Zepter selbst in uns´re Hand

Warum er niemals fertig wurde
Der Turm bis hoch zum Himmelszelt?
Es fehlten Menschen so wie wir
Begabt und hart mit Geld und Potenzial

Heut´ wär´ das alles kein Problem
Wenn wir es wollten – ach herrje
Wir könnten Meere trocken legen
Und durch die Wüsten zögen uns´re Herden
Eh wir sie trieben in das Schlachthaus eurer Stadt

Zuhauf und billig muss es sein
Genau wie ihr die Sklaven der Allmächtigen es sind
Denn die Moral
schon wieder so ein abgestaubtes Wort
Ist auch nur Widerschein der Welt wie sie jetzt ist

Was dann danach gekommen ist
Das kann der Dichter nicht erzählen
Denn keiner hat es überlebt
Und mit dem Menschen gut wie böse
Starb Tugend Sünde und Begehr´
Am Schluss ganz zart erlosch die Hoffnung
Die Welt verglühte unbemerkt im All.

UH

 

 

 

INVIDIA
Neid

Die Kirchen haben gelogen,
Aus Missgunst Angst und Hass geschürt.
Uns um das Wissen betrogen
Und in Gottes Ferne geführt.
HH

 

Seit Jahrtausenden grollt Sie, die Unterwelt.
Leid der Menschenseel anheim gestellt.
Fernab jeglichen Mensch-Seins
in der Polarität,
der schier unaufhörlichen Individualität…..

Dort, in jener Unterwelt,
lächelt Er, verschmitzt
sich dem menschlichen Kleinmut dazu gesellt.
Peitscht an, das Feuer,
entfacht des Teufels Ungeheuer.

Gerade dann, wenn des Teufels Hinterlist
des Menschen-Seel ertränkt im Dunst
aus Neid und Missgunst,
gerade dann, braucht’s des Menschen Hand
gleichsam heraus zu schrein:
Halt ein !

Daphne Amiri

 

 

 

 

 

LUXURIA
Wollust

Was haben Knaben erduldet,
Frauen und Mädchen durchlitten,
Ist nur der Wollust geschuldet,
Die über das Maß geschritten …
HH

 

… und doch …
es offenbart sich nur,
was die Seele vorspielt …
ich nehme etwas in mir wahr,
was verborgen ist, unbekannt
und wartend auf seine Geburt …
oh, Mutter Natur!
wie kann denn Liebe Sünde sein?

der Wind weht über die Farne …

und erfährt
die Wandlung, die sie durchqueren,
ein liebevolles Streichen,
das nach mehr verlangt …

auf ihren Tau pustet er sanft
in der letzten Frische dieser Nacht
und trägt die Feuchtigkeit zu Knospen,
durch den ersten Sonnenstrahl erwacht …

es hellt auf, Töne und Schatten entstehen,
wie eine Marter dies‘ Gefühl,
geziert mit der ersten Glut,
im Geräusch des Blattes voller Ungeduld …

und mich findend, zum Kühlen
haltend meine Stirn
in meines Waldes Bachgerinn,
oh, aus diesem Schlaf erweckt mich nicht!

DD

Brücken

Begleitet uns in diesem Oktober über BRÜCKEN…

 

 

 

Die Balken die einst stützten – morsch
Betreten kann sie keiner mehr
Und zwischen feuchten Spalten wächst lang schon 
erstes Grün

Wohin sie führt
Was sie verband
Zu dieser Stund´ weiß niemand mehr die Antwort

Ein Menschenfreund schlug eine Latte quer
Ganz vorn vom Handlauf links zur and´ren Seite
Vielleicht huscht ab und an noch eine Maus hinüber
Verfolgt von Räubern in der Nacht

So steht sie da
Als Zeuge jener Zeiten
Von denen laut getönt dass sie einst besser waren

Traust du dich vor bis an dem Rand des Felsens
Siehst du am Grund der Schlucht den Bach
der stetig fließt
Und den falls je ein Mensch es wollen mag
Man leicht zu Fuß durchschreiten kann

UH

 

 

 

 

Die alte Brücke

Am Buchenhain entlang wir gingen,
Hand in Hand auf uns’re Brücke zu.
Ich sah nur deine Locken schwingen
Und laut pochte mein Herz du, du, du.

Alte Brücke aus Kindertagen
Du warst uns immer als Schutz ein Hort,
Hast uns in Träumen fort getragen,
Bist der Erinnerung Zufluchtsort.

Heut‘ ist der letzte Gang zur Brücke.
Das Unwetter der gestrigen Nacht
Hinterlässt in uns eine Lücke,
Der Brücke hat’s den Garaus gemacht.

HH

 

 

 

 

wenn wir beide
schließen

weit weg in uns ist das andere
durch das wir sehen
die Brücke zum Selbst

CS

 

 

 

 

Keine Brücke

Keine Brücke führt zu dir
Der Abgrund so tief und weit

Aber Winde
Ein Albatros
Nehmen mich mit
Für kurze Zeit

Doch ich finde dich nicht mehr
Nur ein Feld mit Mimosen
ba

 

 

 
Solange schon
für alle
solide stehend da.

So wenig Blick
nach unten
ins tiefe tiefe Tal

So lange schon gemauert
die Brücken hin und her

Es braucht stets
neue Meister,
denn Brücke ist Verkehr.

RM

 

 

 

 

Wie ein Grashalm,
mich hautsanft berührt
während die letzten Sonnenstrahlen
mir mein Gesicht erwärmen,
die Kühle der nahenden Nacht
sich zaghaft bemerkbar macht
und ich einfach nur atme…..

Ich brauche sie nicht, die Brücken
erbaut aus abstrakten Gedankengängen,
sich in konzentrischen Kreisen verzweigend,
mir selbst unerreichbar,
unnahbar….

Dem Spürgewahrsein
öffne ich die Pforten,
dahinter herznah erbaut
erblicke ich sie
die ersehnten Brücken.
Leichtfüßig wandle ich hinüber,

mir selbst genügend…..

Daphne Amiri

 

 

 

 

Brückenschlag

Zögernd setze ich den Fuß
Aus heller Mittagsstunde
Fort vom Flug der Libellen

Überschreite den Abgrund
Seh’ von Ferne Feuerschein
Und schaue tief hinab

Wutverzerrte Gesichter
Aufgerissene Münder
Fäuste bedrohlich gereckt

Taumle durch ihr Geschrei
Fange mich und renne los
Unter mir brauner Geifer

Am Ende der Brücke – DU
Spüre deiner Augen Blick
Die ausgestreckten Hände

Schlüpfe unter deinen Mantel
Eine stumme Umarmung
Deine Wärme rettet mich

ba

 

 

 

 

Noch einmal wollte ich sie sehen
Die Brücke die uns einst verband
Gebaut aus Hoffnung und Vertrauen
Geschmückt mit bunter Blumen Lachen
In einer Welt voll Düsterkeit

Ich suchte hier und fragte dort
Lief durch den Tag hinein zur Nacht
Doch nirgendwo auch nur ein Stück
Man sprach davon es hätt´ sie nie gegeben

Die alte Brücke lebt nicht mehr
Kein Zeuge war dabei als sie zerbarst
Gerissen in die Tiefe jener Schlucht
die Herzen traurig macht und müde
Begleitet von den Träumen der einstigen Erbauer

UH

 

 

 

Die Schlucht

Hoch die beiderseitig
aufgetürmten Wände.
Mancher hat sein Glück versucht.
Für viele wars der letzte Gang.

Bis einer kam mit der Idee,
ein Seil zu spannen.
Von einer Spitze hin zur anderen.
An Pflöcken fest verknüpft.

Im Laufe gar nicht langer Zeit
kamen andere hinzu.
Seil an Seil umspannte bald
die Tiefe, die so vieles raubte.

Heute ist es eine Brücke,
gebaut auf unser aller Leben
und Erfahrung.
Menschen können sich begegnen.

Kein Absturz mehr an steilem Fels.

RM

 

 

 

 

Die Brücke

Nur eine einzige, einsame Brücke
über unserem trüben Wasser
und ich stehe alleine und verlassen auf ihr.

In einen unwiderstehlichen Sog der Gedanken
lasse ich mich fallen, verzweifelt fange an zu schreien:
„Vater“ drei Mal und „Mein“ zehn …

eine schwarzrote steinerne Wolke zieht auf,
wie etwas, das alles werden kann
und gleichzeitig nichts ist …

Lauschend,
wie zufrieden die Bäume ins Nichts taumeln
und melancholisch phonetisch denkend,
versuche ich zu begreifen, von innen nach außen
und flüstere die Erkenntnis in den Wind.

DD

 

 

 

Ewiges Leben

Das schwache Licht der Phantasie
Matt das Labyrinth beleuchtet.
Die Religion irgendwie
Nur den Seelenplan erleuchtet.

Die heilige Stille in mir
Über den Styx baut die Brücke.
Und Hand in Hand verschließen wir
Zwischen den Leben die Lücke.

Ich treibe als Kontinuum
Im ewigen Strom des Lebens,
Und genau das ist wiederum
Antrieb und Grund all des Strebens.

HH

 

 

 

 

Wander-Wind

Viele Brücken an der Kreuzung umgeben vom großen See
Aus der Luft überschaubare Wege, und
ein paar Hügel umringen den einzigen Berg
Zwischen Betonblöcken
viele, kleine asphaltierte Abzweigungen,
zwischen Damals und Jetzt
die Spaltung der Identität,
Wie geht der Tanz weiter
Der Gesang lauter
Welche Töne schwingen mit
Wohin wandert der Wind
im Rücken die Zukunft
Vor den Augen die Vergangenheit
An der Kreuzung umgeben vom See
und Nebel auf Brücken

CS

 

 

 

Barfuß …

es sind dieselben, alten Straßen,
über Brücken aus Granit,
auf denen Kirchenväter wandelten
in aller Willkür des Schicksals

auf Händen tragend,
alles, was noch zu lehren ist
und das Pulsieren aller uns
noch davorstehenden Metamorphosen …

eingeschneit die Berge im dichten Nebel
und die Jahre gehen hin,
auf gleichen, alten Straßen
über Brücken aus Granit …

DD

 

 

 

 

 

 

Ernte

„Mein Herz steht bis zum Hals in gelbem Erntelicht
Wie unter Sommerhimmeln schnittbereites Land.“  –  Ernst Stadler, Sommer

 

 

 

Hörst du das Rauschen des Windes
Jetzt
Wenn die Blätter ihm Stimme verleih´n

Siehst du den Tanz der Gezeiten
Jetzt
Wo das Meer uns den Sinn offenbart

Riechst du den Duft uns´rer Erde
Jetzt
Wenn der Regen den Sommer vertreibt

Schmeckst du die Süße der Früchte
Jetzt
Wo die Zeit reiche Ernten beschert

Spürst du die Liebe der Welt
Jetzt
Wenn Frieden sich vom Wunsche befreit
und der Mensch bereit ist für Taten

Höre das Rauschen des Waldes
Siehe den Tanz der Gezeiten
Rieche den Duft uns´rer Erde
Schmecke die Süße der Früchte
Spüre die Liebe der Welt
JETZT

UH

 

 

 

Erntingfest

Man sieht geschmückte Garben,
Musik ertönt zum Reigen.
Heuer muss niemand darben,
Das will man heute zeigen.

Durch der Bauern Fleiß und Kraft,
Mit Sonnenschein und Regen
Ernting volle Lager schafft.
Der Pfarrer dankt mit Segen.

Nun kann der Winter kommen,
Eingebracht sind Frucht und Korn,
Das wird den Menschen frommen.
Wenn es lenzt, beginnt’s von vorn‘.

HH

 

 

 

Was tust du,
wenn der Damm bricht,
das Wasser sich ungehindert
durch Barrieren, harte Mauern
aus Angst erschaffen
dir droht,
diese zu überwinden ?

Dann helfen dir
deine Fensterläden nimmer mehr.
Im Strudel des Lebens
braucht`s Mut, braucht’s Geduld,
um zu vertrauen.

So frag ich dich,
was möchtest du ernten
hinter Mauern aus Granit,
deren Tore immerzu verschlossen sind ?
Kein Zaudern,
kein Zweifeln,
keine Fehlbarkeit, noch Bedürftigkeit
dürfen durchdringen,
deine Mauern aus Granit.

Was kümmerts das Leben in Liebe getränkt
Es fließt
weithin
zu einer anderen Zeit,
an einem anderen Ort.

Daphne Amiri

 

 

 

 

Es sät der Mensch den Zwist
Den Neid 
Die Habgier ist sein ständiger Begleiter
Ein jeder harkt für sich alleine
Dem Boden gleichgemacht was stört
Voll Angst der dann Gehorsam folgt
Das Wasser auf die Saat der selbsternannten Führer

Und wenn ein jeder ernten müsste was er sät…?

UH

 

 

 

 

Kein Fest

Ernte folienverpackt
Aus Retorten besamt
Keimt im Nebel von Gift
Früchte gleichen geklont
Mit Wohl und Weh’ dem Markt
Der Boden ächzt und stöhnt
Weltweit zählt nur der Preis
Ein Stoßgebet erklingt
Der Erntedank fällt aus
Kein Fest nur bittend Hand’
Grünt im Zukunftshoffen
Leis’ Melodie erklingt…

ba

 

 

 

Ernte fest

Abgeerntet zeigt sich die Erde.
Der Tisch erschien so reich gedeckt,
Dass nie Mangel herrschen werde,
Verhielt der Mensch sich nicht suspekt.

Schon die Ressourcen sind verbraucht,
Wir leben ab jetzt auf Kredit.
Wir fühlen uns derart erlaucht,
Nur das Verhalten ist perfid.

Das Glück der Kinder ist zerstört,
Taub hat der Lärm die Gier gemacht.
Schreit die Natur, es keiner hört,
Es wird vor Angst nur viel gelacht.

Was wohl ernten wir in Zukunft,
Sind nur Hass und Neid gesät?
Oder, am End‘ siegt die Vernunft?
Erwacht der Mensch, ist’s nicht zu spät.

HH

 

 

 

ernte

mein zensor streng 
die werke zu wiegen
wie sie vor ihm liegen
zitternd und keck

versäumtes bohrt
weinend fast verdeckt
beschädigtes leckt
erbittet laut gnade

das gold zerrann
die hoffnung geblieben
die menschen zu lieben
stückwerk zersprang

der zensor schärft
wie es zu bewerten
fehler die einst lehrten
dunkeln des nachts

für die jahre
kein maß zu benennen
doch nah zu erkennen
was weiter noch grünt

ba

 

 

 

 

Einbringen

Die Sensen sind entrostet
Scharf geschmiedet
Die Gäule ziehen an
Die grossen Wagen rollen aus

Alte Lieder singen sie
Die Schnitter
Sich ihrem Tageswerk
in Wohl und Wehe wohl bewußt

Staubig, sandig,
wiegend durch des Kornes Pracht
endlos scheint die Mühe ihnen
von morgens Früh bis in die Nacht

Morgen schon da kommen Helfer
binden helle Garben
Das Jahr war gut und gold
Dies Jahr wird niemand darben

RM

 

 

 

 

 

Deine Ernte

Kannst du die Früchte deiner Ernte erkennen

Kannst jede einzelne
benennen
Weißt du noch
wo du die Samen
gesät hast
Wie du sie gekreuzt hast
Wann die Bienen
die Blüten bestäubten
Hast du vergessen
was dich bewegt hat
Kannst du die Früchte erkennen

CS

 

 

 

 

Möge es dir erlaubt sein
im Garten deines Hochmuts zu wandeln,
die Früchte deiner Sehnsucht zu ernten,
dich in deinem Drang forsch und unnachgiebig zu ergießen,
ohne zu erfahren,
ohne zu verstehen,
die Geduld im So-Sein
erntet Liebe….

Daphne Amiri

 

 

 

 

Ernte …

wir befragten den Mond
nach der Säzeit
und voller Hoffnung wir säten,
schufteten
und beteten für unseren Regen
und wir bangten …

um unter einem
solch sternbesäten Himmel
uns selbst zu ernten …

und welch ein Schwelgen
im Gedanken,
die Saat zu ernten
für eine neue Ernte …

DD

 

 

 

 

Heiterkeit

Das Begehren wohnt in den Sinnen, die Heiterkeit aber liegt im Herzen.
Im Sinne dieser chinesischen Weisheit, verbinden wir in diesem Monat unsere Zeilen und erfahren die Weisheit und ebenso die Liebenswürdigkeit, die das poetische Leben uns Stufe für Stufe erklimmen lässt.

 

 

 

 

Möge der Duft der wilden Rose heute Nacht
in deinen Träumen
dich betören, sanft verstören.
In deiner Seele begegnest du mir voll der Trunkenheit.

Doch bin ich bereit,
des Weges mit dir zu gehen,
bereit, fernab jeglicher Illusion
feinstes zu sehen,
denn du bist’s,
der mit mir durchdringt höchste Wellen
meinen Durst löscht an kühlen Quellen.

Welch Heiterkeit, gar verschmitzt, unverwandt dein Lächeln.
Mir taumelts ob der Sinnlichkeit
in schier rauschenden Bächen.
Wer vermag bei Zeiten zu benennen,
ob am End des Rauschs
die Herzen sich öffnen,
der wirbelnde Tanz der göttlichen Liebe vertraut,
und eines Tages ein Anderes leichthin aufbaut.

Daphne Amiri

 

 

 

 

 

heiter

Heiterkeit federt
Breitet die Arme
Wirft den Mantel ab
Streift durch’s Blütenmeer
Blattgrün rauscht dazu
Singt in die Lüfte
Streut lachend Samen
In die Dämmerung
Ein Hauch Ewigkeit
Legt sich hernieder
und
Ein Lächeln bleibt
Für finstere Zeit

ba

 

 

 

 

Dein Ritter

Mein Lächeln wird zu Fingerkuppen,
zart den Flaum Deines Nackens streichelnd.
Das Feuer brennt herunter.

Wiegend steigst Du auf und suchst nach Ästen.
Witternd in mir steigt Gefahr.
Die Bestie naht und springt. Schon seh ich deinen Tod.

Die Axt schwingt weit und trifft die Stirn.
Triefend um uns Blut. Ich küsse Dich.
Gemeinsam sammeln wir altes Holz.

Das Feuer lodert. Das Tier verbrennt.
Die Sterne, geblendet von unsrer Feuersbrunst.
Ich liebe Dich.

Du bist da. Du lebst.
Alles um uns Rauch und Flamme.
Der Mond singt weisse Lichterlieder.

Deine Augen weise still.
Leise nur beweg ich mich.
Ich liebe Dich!

RM

 

 

 

 

 

 

Heiterkeit

Weißt du wie sie tanzen, lachen, später weinen
Weißt du wie sie lachen, wie sie tanzen…
Weißt du wie sie tanzen und weinen

Wenn sie weinen beim Lachen
Wenn sie lachen beim Tanzen
Wenn sie tanzen beim Weine

So wie alle Weinenden lächeln
So wie alle Lächelnden tanzen
So wie alle Tanzenden weinen

Weißt du wie
Wenn sie
So wie alle

Heiter

CS

 

 

 

 

Die Heiterkeit des Ungejagten

Wohin soll ich eilen?
Keine Suche mich jagt.
Darf in mir verweilen,
Ist Alles erst erfragt.

Um mich das Chaos tobt,
Still ruht in mir der See.
Ist das Denken zerstobt,
Wird die Seel‘ Conferencier.

Welch‘ eine Heiterkeit
Den Ungejagten trifft,
Hat er durch Raum und Zeit
All sein Wünschen umschifft.

Auf der Seelenbühne
Wir nur Flaggen hissen,
Bis am Mnemosyne
Geglaubtes wird Wissen.

HH

 

 

 

 

 

So ist wohl der Morgen die leichteste Zeit
Vom Schlafe erfrischt
Alle Sinne geschärft
Und ehe das erste Wort gesagt – ein Spaziergang zum Bach

Die Sonne befreit aus den Fängen der Nacht
Ihre Strahlen erreichen die ersten Wipfel
Eine Amsel sitzt im Licht der Natur
Ihr Gesang begleitet das Rauschen im Wind

Ist denn wieder Frieden?
Hier war niemals Krieg!
Der Bach plätschert lustig
Ganz gleich wieviel Stein ihn zu Umwegen zwingt
Sein Ziel ist der Fluss ganz weit unten im Tal

Entspringt nicht die Heiterkeit diesen Gesetzen
Das Sein und Vergeh´n im Rhythmus sich wiegen
Wie Frühling und Sommer der Herbst und auch Winter
Die nur eine Botschaft verkünden:
LEBE

UH

 

 

 

 

 

 

…..rkeit

Heute sei mir vieles klar,
in frohem Mut auf dunklem Pfad.
Gepfiffen sei auf Furchtgeraune
was heute krumm, ist mir nun grad!

Eben noch im Zweifel harrend,
in Schicksals Schlangenauge starrend,
reiss ich auf die tumben Zwingen,
Frohsinn, Mut und Lieder klingen.

Jede Blüte lang beschauend,
Traumschloss hinter Traumschloss bauend,
in deine tiefen Augen schauend,
ist glücklich mir das Wohlgelingen.

Dir, du deiner Liebe Zeit,
dir schenk ich meine Heiterkeit.

RM

 

 

 

 

 

Heiterkeit

Die Kühle des Morgens
gebärt den Tag.
Sanft tauche ich hinein,
bade Frische.

Immer unversehrter
schenkt er sich her.
Ein feines Spinnennetz
umflattert mich.
Keine Schrunden schmerzen.
Im Blütenblick
atme ich Zuversicht,
alles bereit.
Spiegelung noch traumnah
im Tautropfen.
Liebe auf Moossohlen
am hohen Turm.

Zur Auferstehung, sieh’,
so steh’ ich auf,
und gehe dann heiter
auf neuem Weg.

ba

 

 

 

 

 

Heiter weiter

Ist alle Angst von mir gewichen,
Will heiter ich ins Chaos schlittern.
Ist das G siebenfach gestrichen,
Fängt an die Spiegelwelt zu splittern.

Keine alten Bücher helfen dann,
Ist eine neue Welt im Werden.
Auch die alten Götter trifft der Bann,
Ist selbst man Schöpfer nun auf Erden.

Der Horizont strahlt seltsam heiter,
Lichtdurchwirkt erscheinen Fels und Baum.
In echter Liebe baut nun weiter,
Vollkommen, der Mensch an seinem Traum.

Heiterkeit durch’s Universum tönt,
Ein neuer Mensch wird schon gemunkelt.
Und das Firmament wird auch geschönt,
Auf dass die Erde heller funkelt.

HH

 

 

 

 

 

 

Leichthin flattert er seiner Wege,
trinkt aus dem Kelch einer jeden Blüte,
kein Morgen, kein Gestern stört sein Treiben,
im Augenblick möchte er verweilen.

Sanft fliegt er
einem Windhauch gleich,
durchstreift Wiesen und Felder,
erobert sattgrüne Wälder
sein Herz steigt empor,
er glaubt,
er stünde vor des Himmels Tor.

Zart-klein,
lädt er verschmitzt zum Mahle ein,
noch vor dem letzten Sonnenstrahl,
am Horizont der beginnenden Nacht,
flattert er sacht
und im Überschwang der Heiterkeit,
offenbart sich, in sinnlichen Nuancen,
sein Schmetterlingskleid mit Avancen.

Daphne Amiri

 

 

 

 

Nichts

 

Die Frage nach dem NICHTS beschäftigt die westliche Philosophie seit ihrem vorsokratischen Anfang. Parminides v. Elea sagte dazu in einem Fragment über die Natur:
„….Denn das Nichtseiende kannst Du weder erkennen (es ist ja unausführbar) noch aussprechen.“
Seine Aussage gilt als erste Formulierung abstrakter metaphysischer Reflexion im antiken Griechenland und diente Platons Dialog ‚Sophistes’ als Ausgangspunkt.
In der frühchristlichen Philosophie stellte sich das Problem bei der Diskussion der göttlichen Schöpfung: Sie kann nach Augustinus von Hippo nur ‚ex nihilo‘, aus dem NICHTS erfolgt sein, denn alles andere wäre keine Schöpfung, sondern lediglich eine Umwandlung.
Es gibt kaum einen Philosophen in der Menschheitsgeschichte, der nicht versucht hätte, dieses NiCHTS zu ergründen und zu beschreiben. Es finden sich Aphorismen, Abhandlungen und Gedichte darüber.

In unseren Beiträgen versuchen wir uns dem Thema lyrisch zu nähern, wobei Gelesenes, Gelerntes und eigene Überlegungen die Grundlage bilden.

Sieben Coronas haben sich auf den Weg gemacht, dem NICHTS eine Farbe, einen Sound, Formen abzuringen. Doch lest selbst, ob es gelungen ist…

 

 

 

 

Nichts

Alles im Nichts verborgen
Dem äußeren Augenschein
entzogen
Wartet auf den Glockenschlag
Zu wachsen und zu werden

ba

 

 

 

 

Morgenmeditation

Gedankenverloren im NICHTS
Sich treiben lassen
Leicht
und ohne Schmerzen
Willenlos
dem Sinn enthoben
Im Rhythmus eines Größeren
Vom Erdenglück befreit
Im ersten Sonnenstrahl kehrst du zurück
Du weißt, du hast dein Werk noch nicht vollbracht

UH

 

 

 

 

Ausradiert

Wild die Gedanken springen,
Das Gesuchte nicht dabei.
Und dieses laute Singen
Das Gehirn fast dröhnt entzwei.

Unklarheit den Tag bestimmt.
Überall Zettel kleben,
Weil das Erinnern verglimmt.
Hinweg gespült das Leben.

Das Gedächtnis validiert,
Neu korrekturgelesen.
Und ganz langsam ausradiert
All‘ die Selbstanamnesen.

Chaos ist, was übrigbleibt.
Aus Gewitterwolken brichts,
Wird lebendig man entleibt
Und fällt ohne Halt ins Nichts.

HH

 

 

 

 

Vollmondschein

welch tiefe Ruhe
schlummert in den Felsen,
selbst die Reife
im Glockenton kann sie nicht erwecken …

im Vollmondschein sehe ich meinen Schatten
auf der dürren Heide,
kein Trauern mehr nach der Zikade,
glaubend, dass sie nach Süden zieht ..

welch Flüchtigkeit in diesem Leben
und welch Nichtigkeit mich umhüllt …

DD

 

 

 

 

Zum Nichts

Keine Gedanken
Alle Ideen verflogen
Alle Sinne vertieft
Alle Ablenkung abgeschaltet
Nichts passiert
Ich bin eins mit dem Wind
Eins mit dem Meer
Ich bin die Welle
Ich bin die Zeit
Ich bin Nichts

Außer Atem

CS

 

 

 

 

Eine Elegie

Zeit, sich müde hinzugeben,
unter altem Weinstocks Laub.
Kühl der Wind, durch silber Linden.
Wehend ist der Träume Hauch.

Alter schöner Schattenstaub.

Umhüllend ist des Denkens Schleier,
wie die Elster, so auch ich,
begeh ich süssen Traubenraub.

Des Weines satt, den Tränen nah,
die Sehnsucht schmerzend, taumelnd taub.
Rings um mich ist Grün und Frucht,
zitternd kreist im Schatten Staub…

RM

 

 

 

 

 

Belebt,
beherzt
unwiderbringlich
mit dem Nichts
mit Allem
verbunden.

Lasse los,
von den Figuren,
welche auf dem Brett
ihre Züge ziehen,
und gleichsam
unnachgiebig
mich knechten,
nach mir trachten.
Und empfinde
verbindend
Nichts
und doch so viel
Freude…..

Daphne Amiri

 

 

 

 

 

Alles und Nichts

Im Vierfarbendruck
Wird es geboten
Das Glücksversprechen
Im Hochglanzformat
Das soll uns locken
Doch nicht von Dauer
Zerfällt es im Nu

Immer noch schneller
Drehen die Räder
Offenbaren Wahn
Nur in der Stille
Weit am fernen Ort
Muss nichts mehr rattern
Kann alles werden
Wachsen aus dem Nichts

ba

 

 

 

 

Geboren aus dem NICHTS
Ganz klein und zart
Erwartungslos doch voller Kraft
Schreit es hinaus das neue Leben in die alte Welt

Was wird aus diesem Erdenglück?
Wie dreht und wendet sich das Wesen
Durch Freud´ und Leid
Gefühle eig´ner Wertigkeit wie Dunkelheit und Licht

Wohin des Wegs Herr Wandersmann
Gefangener von Angst und Hoffnungslosigkeit
die dich ereilen dich umschwärmen
Indes du kleine Kreise ziehst wenn du sie nicht bezwingst

Hast du die Gunst des Alters dir erkoren
Gelebt, geliebt das Erdendasein ausgeschöpft
Dann kehre heim in die Unsterblichkeit
Wo alles sich erfüllt von dem du jemals hast geträumt.

UH

 

 

 

 

Das Nichts ’18

Im Nichts ist Alles enthalten,
Und lässt sich Alles gestalten.
Im Nichts ist Alles angelegt,
Und wartet bis es angeregt.

Der Schöpfer aus dem Nichts gebiert,
Was sein Bewusstsein reflektiert.
Mit Licht und Liebe angereichert
Wird seine Schöpfung abgespeichert.

Auch der Mensch, in seinen Normen,
Schöpft sich aus dem Nichts die Formen.
Meist statt mit Liebe aus dem Frust,
Zum größten Teil auch unbewusst.

Alles ist Nichts, seh‘ ich mich um.
Meine Worte hüt‘ ich darum,
Denn sie strotzen vor Schöpferkraft
Und ich als Gott noch knabenhaft.

HH

 

 

 

 

sprich zu mir …

aller Expansion entgegen
steht das tote Nichts –
mit nichts vergleichbar
und nicht Leere ist,
in dem man fließt,
zerrinnt und sich auflöst
bis nur noch Nichts übrig bleibt …

hat sich das Nichts selbst getötet?

so sprich zu mir,
nichts hieltest du in deiner Hand,
als du alles erschaffen hast,
was kann es sein, dass es ist,
ohne dass es wäre? …

außer ein Abschied vom Sein
und der Angst ein Ende? …

DD

 

Freiheit

 

 

Prolog der Freiheit

Freiheit schallt es aus allen Ecken,
Doch die Freiheit ist ein scheues Ding.
Nein, nein sie will sich nicht verstecken,
Da war noch niemand, der sie je fing.

Was bedeutet Freiheit schon?
Zwänge, Süchte als Gefängnis,
Dies zarte Wesen eilt davon,
Selbst gewählt ist das Verhängnis.

Nicht einmal der Geist ist Heute frei,
Gefesselt von Elektroschrott
Und medialem Einerlei,
Bewegt er sich im Einheitstrott.

Welche Freiheit meint die Menschheit,
Lässt den Ruf sie laut erklingen?
Hat erst der Mensch sich selbst befreit,
Menschheit will von Freiheit singen.

HH

 

 

 

 

 

Liberty

Ich schwinge die Fahne,
immer auf’s Neue.
‚Liberty´ schallt es laut,
viele Stimmen im Chor.

Mitten in den Klippen,
bin ich täglich verdammt,
zu Denken und Handeln.
Frag’ Liebe und Weisheit.

Will mich nicht verstecken
hinter dunklem Vorhang,
mit Furcht und Gehorsam,
die Fahne eingerollt.

Dogma und Vorurteil
sind schon lange besiegt?
Nein, sie lauern mit Macht
in brennenden Fenstern.

Auf dem steinigen Weg,
fern noch der Morgenglanz,
singe ich leis‘ das Lied,
und setze die Füße.
Ba

 

 

 

 

 

Macht und Freiheit

Auch des Stärkeren Macht
Bedeutet Freiheit bloß.
Ob bei Tag oder Nacht,
Die Gier macht gnadenlos.

Nur Geld macht frei! Bis jetzt.
Und das auch nur bedingt,
Weil Besitz hält besetzt,
Was von der Freiheit singt.

Grenzenlose Freiheit
Beginnt allein in mir.
Vergeudet nur die Zeit,
Such‘ ich zuerst in dir.

Ich kam frei dich geben,
Jedoch die Freiheit nicht.
Du musst selbst erstreben
Die Suche nach dem Licht.

HH

 

 

 

 

Ode an die Freiheit

Wie das Quellwasser aus dem Erdreich tritt,
so rein, so klar,
begegnest du uns,
die wir gefangen sind
in unendlichen Kreis-läufen…..

Ist das Land dir noch so unbekannt,
bahnst dir deinen Weg,
nimmst auf, die Impressionen,
bist frei von jeglichen Illusionen…..

Führst uns unsere Trunkenheit vor Augen
und in deiner Weite
wird uns gewahr,
was wir sein könnten !

Und am Ende aller Tage
sind wir angekommen,
deine Botschaft für wahr genommen,
durchtränkt von deiner Leichtigkeit,
oh, du Ode an die Freiheit !

Daphne Amiri

 

 

 

 

 

frei

wir stehen über all den Dingen,
wie Totenasche im Wind
und wir denken
und fühlen gleich …

während wir mitten im Wachsein sind,
auf den Meeresspiegel
blicken wir herab
und merken, wie schweigsam wir sind …

DD

 

 

 

 

Der Ruf der Freiheit

Der Ruf der Freiheit verhallt im Rhythmus des Konsums
Wenn früh du dich daran gewöhnst
im Netz von Neid und Gier zu klettern
wie leicht kann dann die Macht dich kontrollieren
und lenken die Geschicke deines Seins.

Sie integrieren dich
bewerten hart
doch wollen nur dein Bestes
Gerad´ weil du selbst nicht weiß was dieses ist.

Nie gaben sie dir Zeit dies aufzuspüren
Frag also nicht – pariere
duck dich
nicke gern
denn nur so wirst du reich belohnt
Und der Kredit den du den Banken schuldest
und der dir kaum noch Ruhe lässt
wird noch getilgt bevor du liegst erschöpft im Grab.

Nun
ab und an vernimmt ein Mensch sie doch
die leise Melodie des freiheitlichen Lebens
die tief in seinem Herzen wächst und wächst
bis ihm die Seele fast zerspringt.

Doch sei gewiss
wenn du ihr jetzt wirst folgen
so droh´n nicht nur Sanktionen dir
wie Einsamkeit durch Einzelhaft geschürt
Auch bislang freundliche Gesellen
verwandeln sich zu Monstern deiner Angst
solange bis der Wind dich trägt
zu den Gefährten deiner Kraft.

Denk bitte einmal kurz nur nach
du hast doch nur dies kleine Leben
Verschenk es nicht an Plunder und an Tand
Und höre zu
Wenn dir die Liebe singt die Weise
Von deiner selbst erkannten Anarchie.

UH

 

 

 

 

 

Ad Libitum

Manchmal
ist mir die stillste Ruhe
zu laut
Die lauteste Stille
zu ruhig
Die ruhigsten Laute
zu still

Manchmal
fehlen Grenzen
für einen Anfang
und
für ein Ende
Alles läuft für sich
und über Alles
und
über zu Vieles hinaus

Nur der Himmel wehrt sich
und
die Erde wartet geduldig
auf jedes Heute
und jedes Sein
und dazwischen ist…
Freiheit

CS

 

 

 

 

 

Geschenkte Freiheit?

Der freie Wille allein
Macht mich frei noch lange nicht,
Süchtig hängen am Dasein
Ist Kerker, ohne Gericht.

Hinterfrag‘ ich diese Welt
Und all mein banges Hoffen,
Seh‘ ich, dass die Mauer fällt,
Die Horizonte offen.

Geschenkt die Freiheit? Oh nein!
Erst Grenzen überwinden,
Tief ins Dunkel, das muss sein,
Will das Ew’ge ich finden.

Muss wie in alten Sagen
Durch meinen Hades gehen,
Bis an den Tod mich wagen
Und mich im Spiegel sehen.

Freiheit ist kein Thema mehr,
Strahlt Alles im selben Licht.
Und aus dem ewigen Meer
Es zart flüsternd zu mir spricht.

HH

 

 

 

 

 

Freiheit, die ich meine…

In der Gebundenheit
Grenzen überschreiten
Gegen Windmühlen an
Die Waage in der Hand

Auf das Echo hören
Nach Zeichen suchen
Samen auf’s Land streuen
Für Freiheit und Liebe

Tief in Not und Elend
Tränen der Anderen
Auf der Schale wiegen
Damit die Saat gedeiht
Ba

 

 

 

 

 

Transformation

So hoffe ich inständig,
er möge sich sehen,
aus sich selbst heraus verstehen…..

Doch brauchts Leid,
um zu erkennen,
es zu benennen,
gänzlich zu kapitulieren,
nichts mehr zu verleugnen.
Ein Anderes möge beginnen…..

Keine Ausflüchte,
kein Fingerzeig mehr.
Kein „der hat doch auch….“
oder „so ist’s nun mal bei uns Brauch.“

Er weiß, er braucht Mut,
zu entrinnen aus des Feuers Glut.
Er weiß, der Weg wird steinig.
Widerstände, Gefühle wollen gesehen,
gehalten sein !

Eines Tages,
die Sehnsucht treibt ihn weiter,
wird ein Hauch von Leben,
von Freiheit zu ihm hinüber wehen…

Daphne Amiri

 

 

 

 

mit Freiheit …

der Schlaf war viel tiefer im Tannengeruch
und ich übte mich, in Ungeduld
einzuschlafen …

auf alten Wurzeln schlief ich ein
und sie trugen mich
zwischen Blumen
bis ans Ende der Welt,
still und sanft …

danach kamen die Tage klarer
und sie brachten mich immer
ein Stück weiter …

DD

 

Sehnsucht

 

„Nur wer die Sehnsucht kennt weiß, was ich leide…“
Diese, uns allen bekannte erste Zeilen, aus dem Gedicht Johann Wolfgang von Goethes, führt Euch in unser Monatsthema Mai.

Sehnsucht, ein Suchen ohne den Wunsch zu finden?
Ein Streben ohne den Wunsch nach Erfüllung? 
Was geschieht, wenn alle Lebenssehnsucht befriedigt ist?
Gibt es dann nur noch die eine, die nach dem Tod?
Beginnen wir die Reise durch das Hoch und Tief, durch die Qual und das Leid, durch das starke Gefühl Sehnsucht …

 

 

 

 

Bis der Spiegel bricht

Der Abgesang auf diese Welt
Wird vorgetragen von der Sucht.
Seit dem der Mensch die Krone hält,
Und seinen Sinn als Schöpfer sucht,
Ist vor sich selbst er auf der Flucht.

Die Gier nach Mehr frisst alles auf,
Übrig bleibt nur noch die Leere.
Die Spiegelwelt nimmt ihren Lauf,
Trotzt im Wiederspruch der Lehre,
Kommt dem Chaos in die Quere.

Ohne Hoffnung bleibt er verwirrt.
Die Sucht baut nur enge Wände,
Der Mensch, nun gänzlich ist verirrt.
Ist er nicht bereit zur Wende,
Auch der Spiegel bricht am Ende.

HH

 

 

 

Schattenwurf

Sehnsucht greift nach mir
breitet die Schwingen
lautlos ist ihr Flug
ich spüre den Schmerz

im Sonnenauge
erschauert die Haut
im Meeresrauschen
steigen Bilder auf
werfen Schatten weit

dort die Alte still
nimmt mich an die Hand
weiß um das Leben
die Erinnerung
pflückt eine Rose

ba

 

 

 

 

ausströmen,
zerfließen, 
offenbaren,
immerzu sehnen
immerzu dürsten,
verbreiten,
Herz klopfen,
Herz klagen,
schutzlos,
grundlos…..

STOPP !

Vorsicht,
ein zurück nehmen,
Zeit geben,
inne halten,
Umsicht,
Nachsicht,
heilsam,
achtsam,
Klarsicht,
Weitsicht…..

Daphne Amiri

 

 

 

 

Sehnsucht

Brüder erblicken einander,
Schwestern lächeln sich an,
hohe Grashalme sind im Wind gebeugt
ums verlassene Haus …

so haben schon die Ahnen
diesen Himmel gesehen,
abgekühlt durch den Herbstregen,
all die Monde dieser Welt verbergend …

über Menschenschatten
tragen leichte Brisen
friedlich eingeschlafene Träume,
über Brücken rauscht es leise,
als ob die Ahnen singen würden …

DD

 

 

 

Ad Astra

Blicke 
Verlaufen in der Ferne
Gedanken
Verhallen im Wind
Willenlos vergeht Zeit

Weiße Segel blauer Boote treiben aufs Meer
Satzgebilde im Dunste des sich verlierenden Abends

Wieviele Wünsche dir noch bleiben
Von jenen
Die niemals in Erfüllung geh´n?
Vielleicht auch niemals sollten
Sonst hättest du sie anders formuliert!

Von diesem Tag bleibt nur die Sehnsucht
Die sich in deinem letzten Atemzug erfüllt

UH

 

 

 

 

Ein Sonntag

Bevor ich nun, 
ob ich denn will
oder auch nicht,
mein Tagwerk neu beginne
so sind doch alle Sinne
in mir tiefgeschärft.
Nehme alles auf,
was rings umher geschieht.
Verstehe einiges davon,
anderes verflattert hektisch,
lässt sich gar nicht fangen.
Flieht.

Bevor ich nun
hier weiterschreibe,
lässt sich doch
ein Tränchen blicken.
Im Augenwinkel unten rechts,
verweilt dort kurz.
Gedanken rauschen,
alte Wünsche flammen kurz,
vergehend in dem Lebensfeuer,
das noch in mir glüht.

Wohin, wohin, die Frage
die so schlicht gestellt,
mir immer wieder neu im Sinn.
Töne, Melodien, umrauschend
und der Wunsch nach Leben
so tief, so tief so tief.
Bevor ich hier nun ende,
um wieder einmal abzutauchen,
mit Lächeln und in Wehmut schreibend.

RM

 

 

 

 

Kein Zahlencode

Sehnsucht kann mein Kopf
nicht buchstabieren
keinen Zahlencode

Im hellen Kleid
barfuß Lippenrot
harre ich auf dich

Leise Wehmut lähmt
ein kleiner Seufzer
erstickt das Schluchzen

Warte immer noch
auf deinen Auftritt
denn du weißt von einst

Der Stummfilm vergilbt
ich drehe keinen neuen
es bleibt was es war

ba

 

 

 

 

Sehn-suchts-voll

blicke ich in den Kelch einer weißen Nelke,
kann nicht widerstehen
ihrem betörenden Duft,
in ihrem Schlund
verschlingt mich ihr süßer Saft
und ich weiß,
ich werde fortan in ihr vergehen…….

Sehn-suchts-voll

in zittrigen Wellen
gleichsam herzzerreißend taumelnd
wähne ich mich in ihrem Paradeise
von den Geistern, die mich umgeben
in aller Herrlichkeit
und doch
in erbarmungsloser Trunkenheit……

Welch Weiser,
oh, ihr großen Dichter des Morgenlandes
möge mich, ich armer Tor
aus diesem Schlund befreien ?

Nur ihr, die ihr die Liebe besingt,
wisst um ihre Reinheit,
ihre Wahrhaftigkeit,
ihre Beharrlichkeit….

Drum lasset mich hinaus treten,
mich tief den frischen Wind einatmen,
auf neuen Pfaden wandeln
und mich erfreuen an dem Duft der weißen Nelke
am Rande eines anderen Weges…….

Daphne Amiri

 

 

 

Aus ganzem Herzen

Da gehst du.
Meine Liebe.
Schreitest fort,
wirst schlank und fein.

Graublau ist der Horizont.

Edles, neu gebautes Schiff.
Hell gehobelt sind die Planken.
Hier oben steh ich, seh dich fahren.
Und knie nieder auf dem Riff.

Die weissen Segel leuchten weit,
erinnern, ach so sehr, an alle Fehler.
Unten brechen Wellenberge.
Hier oben bricht mein Herz.

Auf dem Felsen knie ich,
die Wucht des Meeres spürend seh ich dich
die Linie des Gewahrseins überschreitend
segelnd von mir gehen.

Es krampft die Hand, halb stürze ich,
nicht bereit, noch mehr des Leides anzusehen.
Taumle halb in Blindheit weg durch dünnes Gras.

Da gehst du.
Meine Liebe.
Weg von dieser Küste
wo wir uns einst geliebt.

RM

 

 

 

 

Sehnen

Sehr tief verschüttet im Vergessen
Brodelt das Sehnen der Ekstase.
Des Menschen Geist kann’s nicht ermessen,
Nur kurz, die eruptive Phase.

Und, weil die Lust nur kurz befriedigt
Treibt das Sehnen Manchen in die Sucht.
Die Kraft, die Menschen so erniedrigt,
Erhöht den, der wahrhaft in sich sucht.

Die Sucht des Sehnens falsch verstanden,
Krümmt die Sicht der Welt im Spiegelbild.
Die Sehnsucht ist deshalb vorhanden,
Dass als Gott der Mensch die Welt sich bild‘.

HH

 

 

 

es ist …

es ist so viel Sehnsucht
im Tauchen zum Meeresgrund
und die Kühle des Enthülsens
ist wie vergessen …

es ist ein blindes Tasten im Dunklen
nach Unsichtbarem,
ein blasses Fühlen des Kalkes
auf der Oberfläche uralter Steine …

nun zittert der Takt im großen Traum
und es ist eine ungewollte Bewegung,
wie festgebissen im Instinkt,
ein vorsichtiges Schließen der Hände …

die Augen suchen nach Licht,
es ist der Mond,
der die Nacht mit Weisheit füllt
und es ist so viel Ruhe
im Hören des eigenen Namens im Wind …

DD

 

Wachstum


„Wie die Pflanzen zu wachsen belieben,

Darin wird jeder Gärtner sich üben;
Wo aber des Menschen Wachstum ruht,
Dazu jeder selbst das Beste tut.“

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

Wie der Spross

Wie der Spross durch die Krume bricht,
Wollen keimen auch die Seelen,
Unaufhaltsam drängend ins Licht,
Um ihr Ziel nicht zu verfehlen.

Wie im Samen vorgegeben,
Wollen auch die Seelenkinder
Wachsend in die Formen streben
Als die Welten – Überwinder.

Wachsen wollend, wie die Bäume
In die Himmel, durch die Sphären.
Im Durchkreuzen aller Räume
Der Weisheit lieben zu lehren.

HH

 

 

 

Klein gefaltetes Grün
Keimt still in der Erde

Drängt aus der Dunkelheit
Jedes auf seine Art

Scheint blütenblätterfein
Im Gloria uns zu

ba

 

 

 

Sie
schlüpft hinaus
aus dem alten, blumenbestickten Kleid,
schält sich
aus samtweicher Haut,
die süßlich duftend,
solange an ihr haftete,
begibt sich
in Metamorphosen,
aus rosa-pinkfarbenem Plüsch,
so bezaubernd, so hübsch,
und erstrahlt aus sich selbst heraus
im kristallklaren, demütigen Blau
und
all ihr Misstrauen,
ihre kindlich anmutenden Phantasien
lässt sie zurück……

um in den Untiefen der Angst,
in göttlicher Vorsehung
gänzlich zu wachsen……

Daphne Amiri

 

 

 

 

Wachstum

Ich taste mich in’s Dunkel,
durch den Ruf der Marktschreier,
vorbei an Neonlichtern,
Mitten hinein in Ödnis.

Steige über scharfe Bruchstücke
mit blutigen Fußsohlen,
habe Demut buchstabiert,
spüre noch immer Liebe.

Den Fragen, meine Begleiter,
für lange Zeit anvertraut,
wage ich eine Antwort,
ohne Netz und Boden.

Mit Lust in den neuen Tag,
begrüß’ ich wach mein Alter,
höre das Lied der Amsel,
das Lachen der Schulkinder.

Fasse das Fähnchen Hoffnung,
gehe Strich für Strich weiter,
den Umhang der Erkenntnis,
leicht um die Schultern gelegt.

ba

 

 

 

Alles darf aus uns wachsen.
Vorbehaltlos,
vorurteilslos,
werden wir erblühen,
farbenprächtig,
im neuen Glanze bedächtig,
bis zum Grunde atmen,
nimmer verlangen
nach Meer !

Und aus den Trieben heraus
ohne Halt,
gar Gnade,
lassen wir Sie frei
in jedem Augen-blick
deine,
meine
(Lebens-)säfte !

Daphne Amiri

 

 

 

 

Unendliches Wachstum

Auf rosaroten Wolkentürmen,
Die vor dem Paradiese lagen,
Erwuchsen nach Gedankenstürmen
Auf die Erkenntnis neue Fragen.

Wanderer vor der Himmelstüre,
Willst du ins Paradies gelangen,
Entbinde dich von deinen Schwüren,
Sonst bleibst im Spiegel du gefangen.

Der Fragendrache, abgemagert,
Nun auf einer kleinen Wolke wohnt.
Die Antworten sind ausgelagert,
Wenn im Geist nur eine Frage thront.

Bin ich? Dir Gott zu nah gekommen,
Macht des Ikarus Fallen denn Sinn,
Werde ich von Dir angenommen
Und sagen einstimmig wir :“ Ich bin“!?

HH

 

 

 

die Frage …

hinter meiner Luft, meiner Erde, meinem Wasser
und hinter meinem Feuer
bleibt mir nur zu hoffen,
dass ich es will, dass ich es kann …

die Frage in meinem Atem ist mir so teuer,
wie der einsame Traum
der Lebenslilie im Mondschein,

in der Reife seiner Blüte
wäre mein Unvermögen,
wenn ich es will, aber es nicht kann,

in freiem Lauf und erfüllt
wäre meine Bosheit,
wenn ich es kann und es nicht will,

im Nichtwollen und Nichtkönnen
weilt der ewige Kuss
der Bosheit mit dem Unvermögen,

nur eins bleibt mir übrig,
es zu wollen und es zu können …

welch ein göttlicher Gedanke,
im Wachstum hin zu meinem Selbst,
hinter meiner Luft, meiner Erde, meinem Wasser
und hinter meinem Feuer …

DD

 

 

Aufbruch

„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen.“

Aristoteles

 

Ich habe immer ja gesagt
Schon lange vor dem Amen
Zu allem – Und zu Dir – und Euch
Auch später als der Aufbruch schon gegen
die Außenwand klopfte

Innerlich…
da merkte ich

Der Kanal ist so frei
für das erste Nein

Das war der Durchbruch
danach habe ich öfters mal nein gesagt

Du und ihr
Ihr habt standgehalten
Wie Matrosen auf hoher See dem Wind trotzen

Das war unser Aufbruch

CS

 

 

 

Sisyphos

Wir rechnen bis zum Wunderbaren,
Doch verstehen können wir es nicht.
Latent hinter dem Unsichtbaren
Verändert es ständig sein Gesicht.

Dieses Sehnen nach dem Gott in mir
Wird Ewigkeiten überdauern,
Bis am Ende ich die Lust verlier‘,
Jenen Sisyphos zu bedauern.

Dann darf von meinem Kreuz ich steigen
Und aufbrechen zum Wunderbaren,
Darf Gott mein Universum zeigen,
Als seinesgleichen mich erfahren.

HH

 

 

 

Wegmarke

Aus der Dunkelheit
wächst ein Keimblatt
Voller Vertrauen
Frucht zu tragen
Uns als Fingerzeig
Und Wegmarke
ba

 

 

 

Im Schutz der Dunkelheit

Du musstest zieh´n
In dunkler Nacht
Du folgtest ihm
Dem Ruf der Freiheit

Sie wussten nicht, dass es ihn gibt
Und ahnten nicht, wie stark er ist

Man kannte ihn vom hören,
Sagen
Doch was es heißt
Die Sicherheit und Wärme aufzugeben
Den sanften Schlaf und vollen Bauch zu opfern
Darüber dachte niemand nach

Erst als du fort warst
Spürten sie
Die Leere in den Herzen jener die dich vermissten
Und beklagten
dass du den Fesseln warst entfloh´n

So seltsam es auch klingen mag
Erfunden muss es sein
So unwahrscheinlich

Nur eine Handvoll
Vielleicht zwei
versteh´n warum du es getan
Wünschen dir Glück
Und in der Dämmerung des Tages
Wenn erste Vögel zum Gebet anstimmen
Sich selbst mehr Mut

U.H.

 

 

 

Refugium

durch die karge Landschaft
ist der langersehnte Horizont
nur mühsam zu erreichen …

die Spuren auf dem Weg
verlieren sich in einer unsichtbaren Zukunft
… das Jetzt will ich genießen …

in eine Phantasiewelt
mit rauschenden Gewässern
tauche ich ein und träum‘ …

… ein Refugium
und das rettende Zurückziehen
für heilende Kraft …

DD

 

 

 

In Liebe eingehüllt

Sie sind da
kurz nach Neujahr,
die Wintergeister in Feuersglut versenkt,
im Duft der Hyazinthe ertränkt.

Sie sind da
und verbreiten wohlige Wärme
so möcht ich durch-brechen,
doch soll ich nicht bestehen
soll wieder vergehen….

Sie sind da
und trotzig, keck
luge ich hervor
aus meinem Versteck !

Schickt sie weg, solch Geister !
Ihr kaltes Dasein lässt mich frösteln,
gar in mir alles erfrieren.
Drum lasst mich weiterhin und zweifelsohne
in eurer Mitte mich neu gebären
hüllt mich geborgen ein
in all eurer Liebe……

Daphne Amiri

 

 

 

Not

Das Alte war gut, doch es reichte nicht mehr
Der Boden, er konnte nicht alle ernähren
Der Aufbruch beschlossen, doch wer sollte geh´n
Vernunft gab den Rat von jedem ein paar.

Wem das Sterben schon leuchtete, der durfte bleiben
Für die anderen stand ein Lostopf bereit
Das Blau stand für Liebe zum alten Bestand
Das Grün für die Hoffnung, dass hinter den Bergen
Das Land unberührt und in Gnade gehüllt.

Der Vollmond des Frühlings gab das Signal
Die Freunde sie weinten, der Abschied fiel schwer
Denn nie waren Bande stärker als jetzt
In diesem Moment kurz bevor sie zerrissen.

Was geschah mit den Menschen hier unten im Tal
Die Legende erzählt, dass alle ertranken
Der Fluss ihrer Traurigkeit brachte den Tod
Doch die, welche gingen den Blick stets zur Ferne
Die leben noch heute im Morgenrot

U.H.

 

 

 

Aufbruch

Ich bin bereit, breche auf,
lege das alte Kleid ab,
lasse die Tränen zurück
wähle die Schnabelschuhe,
glitzernde Pluderhosen,
den Teppich, fein gewirkt,
mit Mustern aus der Ferne.
Öffne weit das Märchentor.

Und lasse mich forttragen,
spüre die Kraft des Windes,
höre den Ruf der Vögel,
Heimatluft in der Nase,
sehe ich der Sternen Glanz.
Auf dem Teppich, der weit fliegt,
nach Norden und nach Süden,
bis das Morgenrot nahe.

ba

 

 

 

Wie der Sproß……

Wie der Sproß durch die Krume bricht,
Wollen keimen auch die Seelen,
Unaufhaltsam drängend ins Licht,
Um ihr Ziel nicht zu verfehlen.

Wie im Samen vorgegeben,
Wollen auch die Seelenkinder
Wachsend in die Formen streben,
Als die Welten – Überwinder.

Wachsen wollend, wie die Bäume
In die Himmel, durch die Sphären.
Im Durchkreuzen aller Räume
Der Weisheit Liebe zu lehren.

HH

 

 

 

Aufbruch

im ganzen Leben,
auf der Suche nach neuen Gipfeln,
träumt jedes Ende,
den Wiederanfang zu begrüßen,

jedes Mal, vielleicht ein wenig höher,
jedes Mal, vielleicht ein wenig weiter …

und eine Träne,
im wiederkehrenden Aufbruch,
kühlt wohltuend die heiße Wange,
im Andenken an das Bleiben,
hinterlassen von jedem Gehen …

DD